Geschlechtersensible Medizin: Ungleichbehandlung ausdrücklich erwünscht!
Mittwoch, 11.11.2026, 18:00 Uhr
Die Expertinnen und Experten
Univ.-Prof. Dr. med. Ute Seeland
Univ.-Prof. Dr. med. Ute Seeland ist Fachärztin für Innere Medizin/Geschlechtersensible Medizin, Wissenschaftlerin und besitzt die deutschlandweit erste Lehrbefähigung für Innere Medizin/ Geschlechtersensible Medizin. Seit März 2024 ist sie W3-Professorin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und leitet die unabhängige Sektion für Geschlechtersensible Medizin und Prävention mit Hochschulambulanz an der Medizinischen Fakultät. Gefördert wird sie von der Margarete-Ammon-Stiftung.
Ihre translationale Forschung fokussiert die Geschlechterunterschiede bei der arteriellen Gefäßalterung mit Auswirkung auf die Organsysteme. Dieser systembiologische Ansatz ermöglicht es, sowohl die biologischen als auch die soziokulturellen Geschlechterunterschiede zu erforschen. Das Ziel ist es, u. a. individuelle Präventionsangebote zu entwickeln, funktionelle Herz-Kreislauferkrankungen zu erforschen und eine an das biologische Alter angepasste, geschlechtersensible Therapie anzubieten. Zahlreiche Themen der Versorgungsforschung kommen hinzu.
Neben der klinischen und wissenschaftlichen Expertise zur geschlechtersensiblen Medizin ist ihr der Schwerpunkt Lehrforschung sehr wichtig. Die systematisch erarbeiteten Modelle eines systembiologisch geschlechtersensiblen Ansatzes in der Medizin, erfordern u. a. neue Lernziele und -inhalte. Seit 2021 ist Ute Seeland Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin (DGesGM) e.V.
Fotonachweis: Diana Falke
Prof. Dr. med. Sara Yvonne Brucker
Prof. Dr. med. Sara Yvonne Brucker ist seit Oktober 2022 Ärztliche Direktorin der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Von April 2022 bis Februar 2026 war die Gynäkologin Direktorin des Tumorzentrums Comprehensive Cancer Center (CCC) Tübingen-Stuttgart, seit Februar 2026 ist sie zudem die erste Dekanin der Medizinischen Fakultät Tübingen.
Das Leitbild der Universitäts-Frauenklinik am Universitätsklinikum Tübingen stellt nicht nur die Frau in den Mittelpunkt medizinischer Behandlungen, sondern legt für die umfassende Beratung und Betreuung auch Wert auf den soziokulturellen Kontext: Herkunft, Nationalität, Glauben oder soziale Stellung sind wichtig, ebenso die ganzheitliche Sichtweise von Körper, Geist und Seele und sozialen Beziehungen.
Ab 2014 war Sara Brucker Gründungsdirektorin und Ärztliche Direktorin des Forschungsinstituts für Frauengesundheit (FFG) am Department für Frauengesundheit an der Universität Tübingen. Das Tübinger Forschungsinstitut für Frauengesundheit ging 2005 aus dem Institut für Frauengesundheit (IFG) hervor. Die Gründung des Forschungsinstituts entstand auf Initiative der Landesregierung Baden-Württemberg und mit finanzieller Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg (heute: Baden-Württemberg Stiftung gGmbH).
Für ihre Verdienste um die Frauengesundheit wurde Sara Brucker am 29.07.2025 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Fotonachweis: UK Tübingen
Bianca Flachenecker
Bianca Flachenecker ist Sozialwissenschaftlerin, Gründerin des Health Equity Consulting Hubs und Journalistin. Sie berät Organisationen an der Schnittstelle von gesundheitlicher Chancengerechtigkeit, Strategie und Kommunikation. Zudem ist sie Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Gesundheits- und Sozialpolitik“. In ihrer Forschung und Beratung beschäftigt sie sich insbesondere mit den sozialen und strukturellen Bedingungen von Gesundheit sowie der Frage, wie Versorgung, Prävention und digitale Transformation gerechter gestaltet werden können. Ihre Masterarbeit über Health Equity im deutschen Gesundheitssystem erschien 2024 als Buch. In die Diskussion um geschlechtersensible Medizin bringt sie vor allem die Perspektive ein, dass biologische Unterschiede und soziokulturelle Lebensrealitäten gemeinsam berücksichtigt werden müssen, damit eine bedarfsgerechte Versorgung für alle Menschen gelingt.
Johannes Bauernfeind
Nach dem Studium in Heidelberg und Mannheim und dem Abschluss zum Diplom-Volkswirt begann Johannes Bauernfeind seine Karriere 1995 bei der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft in Stuttgart. 1996 wechselte er zur AOK Baden-Württemberg. Hier war er zunächst im damaligen Referat „Krankenhäuser“ der Hauptverwaltung tätig, dessen Leitung er im Herbst 2000 übernahm. Von 2005 bis 2008 führte Johannes Bauernfeind den Fachbereich „Akut-Versorgung“, bevor er ab 2009 als Leiter den Fachbereich „Versorgungs-Controlling und Analytik“ aufbaute. Vor seinem Wechsel in den Vorstand war Johannes Bauernfeind ab 2014 Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Neckar-Fils und kennt damit sowohl die strategischen als auch die operativen Notwendigkeiten und Herausforderungen des Unternehmens. Seit Januar 2020 führt Johannes Bauernfeind die AOK Baden-Württemberg als Vorstandsvorsitzender.
